4. Ausstellung – Waldemar Strempler

Katalog Waldemar Strempler

Endlose Liebesschuld

(aus Friedrich II., Epistel über das wahre Glück, 1736, Position 8, Seite 22 bis 24)

„Hinter dem Glück rennt doch alles her !

ach und dabei, wie häufig nur sind es trügende Hoffnungen, die uns beseelen, ist es ein Tappen, ein Irren, ein blindes, daß wir das Wertvolle, Echte, verfehlen,

nur ein Scheingut erwischen, nicht mehr. Doch dem unbändigen Glücksbegehr ist nichts zu steil und nichts zu schwer.

Und so geben wir keine Ruh, setzen mit Wünschen den Göttern zu;

Nur wie das ausschaut, wonach wir streben – ja wer vermochte das anzugeben ? … (…)

Da muß sich freilich die Frage erheben: Was soll´ s überhaupt für ein Glück noch geben ?

Wenn irdisch Gut, wenn Ruhm und Ehren der Menschenbrust kein Genügen gewähren,

Dann soll guter Rat wohl teuer sein … wohlan denn, nach all diesen Lebensbildern versuchen wir schließlich mit leichter Hand

einmal das vollkommene Glück zu schildern, das ungetrübte, wie wir´ s erkannt:

seht Varro: mit seinesgleichen in Frieden, ist ihm in Ruh und Behagen beschieden.

Er sucht sein Glück in der eignen Brust, gönnt sich mit Maßen jede Lust. Er ist den Freuden des Daseins hold, dem Wein und der Liebe, der Kunst und dem Gold,

ist vergnügt in geselligem Kreise. Erst das ist Leben: das nenne ich weise,

nie hat ihn Leidenschaft übermocht, auch nie der Ehrgeiz ihn unterjocht,

vom Tagesstreite bleibt er unberührt, so ist das Ziel, zu dem die Weisheit führt. “

Die Bilder (überwiegend Collagen) von Waldemar Strempler inspirierten mich, einen Bezug zu Texten von Friedrich dem Großen herzustellen. Vorab bekam jedes Bild seinen Titel, dann begann die Textsuche … Zusammenhänge erschließen sich im Detail zwischen Lesung und Betrachtung (oder nur mir ?), Sehen und Verstehen ist Kommunikation ohne Worte …